Asana und Pranayama: welche Reihenfolge?

Asana gilt als dritter Schritt auf dem achtgliedrigen Pfad des Yoga nach Patanjali, Pranayama als vierter. Dabei bezieht sich der Begriff Asana in seiner ursprünglichen Form gar nicht so sehr auf die uns geläufigen Körperübungen, sondern auf eine sitzende Haltung. In dem Sinne bedeutet Asana „im sitzen atmen“.

Insofern ist es stimmig, in der Reihenfolge zunächst das Sitzen und dann das Atmen zu lernen. Das Atmen erfordert eine aufrechte Haltung, damit Bauch und Brustraum sich frei bewegen können.

In einer modernen Interpretation lässt sich die Reihenfolge durchaus ändern und die Atmung der Haltung voranstellen. Schon Sri T. Krishnamacharya soll die Atemanweisung vor die Asana gestellt haben, so erzählt es sein langjähriger Schüler Srivatsa Ramaswami im Interview mit dem Yoga Journal Germany:

„Seine erste Anweisung bezog sich auf die Atmung, noch bevor er mir die Bewegung erklärte.“

Ramaswami definiert den Begriff Pranayama mit „den Atem verlängern“, also eher mit einer Anweisung zum Atemrhythmus, als mit konkreten Atemtechniken wie Kapalabhati oder Bhastrika. Ausgehend von einem typischen Atemrhythmus von 12 Atemzügen pro Minute (12 AZ/Min.) rät Ramaswami zu einem Rhythmus von 5-6 AZ/Min.

Willst Du mit weniger Atemzügen ebenso viel Sauerstoff aufnehmen, musst Du tiefer atmen und so Dein Atemzugvolumen erhöhen. Das Atemzugvolumen ist die Menge Luft, die Du pro Atemzug aufnimmst.

Eine tiefe Atmung ist mit der flachen Brustatmung allein nicht zu schaffen, da ist auch die Bauchatmung bzw. die yogische Vollatmung (Bauch-, Brust- und Schlüsselbeinatmung) gefragt.

Das hat positive Effekte:
  • Die Bauchatmung massiert die Bauchorgane und bringt die Lymphe in Bewegung.
  • Da Atem- und Herzfrequenz miteinander gekoppelt sind, führt eine verringerte Atemfrequenz zu einer verringerten Pulsfrequenz.
  • Das beruhigt wiederum das Nervensystem und bringt Sympathikus und Parasympathikus ins Gleichgewicht.

Die „verdrehte“ Reihenfolge sieht zunächst den Atem und dann die Bewegung (Asana) vor. Durch die Kopplung der Bewegung an den Atem, führt eine verlängerte Atmung zu einer ebenso verlangsamten, ruhigen und intensiven Praxis. Gerade im Vinyasa erleben wir die Übergänge so bewusster und kommen leichter in den Flow.

Die Atmung unterstützt und führt jede Bewegung. Mit dem Atem bewegen sich Brust- und Bauchraum und damit auch der Core. Atmung IST Bewegung.

Verlangsamte, tiefe Atmung heißt nicht zwangsläufig, dass die Praxis an Dynamik verliert – nur an Tempo. [Für Männer: Hubraum statt Drehzahl 🙂 ]

Was kommt nun zuerst? Die Atmung oder die Bewegung?

Der Atem ist die Verbindung zum Göttlichen. Er hält uns am Leben. Nichts geht ohne den Atem – auch keine Asana.

(Photocredit: © lasbellasartes.de | Marina Holland)

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