Besondere Orte für Yoga: Tipps für den Location-Check

Der in den sozialen Kanälen der Yogis vielfach verwendete Hashtag #yogaeverywhere impliziert es schon: Yoga lässt sich (fast) überall praktizieren. Ich sage fast, weil es tatsächlich Einschränkungen gibt – objektiv und subjektiv.

Luftig, klar und gepflegt: Yogaräume

Reguläre Yogaklassen finden meistens in einem Yogastudio statt. Was vielen von ihnen gemein ist: die ablenkungsfreie Atmosphäre. Es steht selten ein zu viel rum. Oft sind die Farben klar und rein. Für Stimmung sorgen einzelne Accessoires wie Kerzen, Lampen, (farbige) Meditationskissen oder eine gemütliche Sitzecke im Empfangsbereich.

Zunehmend bieten auch Sportvereine und Fitnessstudios Yoga an. Die Räumlichkeiten dort ähneln selten denen eines Yogastudios – haben sie ja auch originär eine andere Funktion.

Im „Yogaraum“ der Fitnessstudios finden in der Regel alle möglichen Kursarten statt. Dann stehen ggf. die Stepper vom Aerobic in einer Ecke oder die Boxsäcke hängen von der Decke, an der Wand hängen Spiegel.

Vereinssport verbinde ich stark mit Turnhallen oder Gemeinderäumen. Auch hier wieder: eine völlig andere Atmosphäre.

(K)eine Raumatmosphäre?!

An der atmosphärischen Bedeutung eines Yogaraumes scheiden sich die (Yoga-)Geister.

Lampe und Tulpen

Die eine Seite: Da Yoga ein System der inneren Einkehr ist, sollte die Umgebung zweitrangig sein. Denn wir besinnen uns währenddessen auf unseren Atem, auf unsere Bewegungen, auf unser Inneres. Wir schenken der Umgebung genauso wenig Aufmerksamkeit wie unseren Mattennachbarn – ganz auf unsere eigenen Grenzen und Bedürfnisse fokussiert. Deshalb haben wir natürlich gar keine Gelegenheit, in die Vergleichsfalle zu tappen …

Dennoch (und das ist die andere Seite): Als ästhetisch veranlagter Mensch spielt die Umgebung im Yoga für mich eine wichtige Rolle. Das fängt schon vor der eigentlichen Praxis an: Wenn mich gepflegte und liebevoll gestaltete Räume willkommen heißen, stellt sich mein Geist automatisch auf die anstehende Yogaklasse ein.

Luftqualität?!

Die Luft in den Yogaklassen: auch ein Thema, das die Yogawelt spaltet.

Was bei mir überhaupt nicht funktioniert, sind Pranayama (Atemübungen) und Asanas (Körperstellungen) in von Räucherstäbchen geschwängerter Luft. Ich hab’s wirklich mehrfach probiert! Da habe ich nicht den Eindruck, meinen Körper mit frischem Prana (Lebensenergie) aufzutanken. Zugegeben, nach einer Stunde mit 20 schwitzenden Körpern in einem Raum, ist die Luft auch nicht mehr klar. Auch deshalb kommen am Ende mancher Stunden Räucherstäbchen zum Einsatz. Funktioniert für mich trotzdem nicht. Der Dunst versetzt meine Nerven in Alarmbereitschaft.

Hafenblick_Ankündigung

Yoga unter freiem Himmel

Vielleicht liebe ich aus diesem Grund Yoga im Freien. Möglichst ohne großartige Ablenkung, auf einer grünen Wiese neben Bäumen ohne Straße und ohne viel Publikumsverkehr, am oder auf dem Wasser.

Was ist für mich das Besondere daran?

  • Die permanent frische Luft: Sie ist einfach nicht dick zu kriegen.
  • Die Weite des Himmels: Die fehlende Begrenzung im Außen löst mögliche Begrenzungen im Innern leichter auf und es kann eine völlig neue Qualität von Leichtigkeit entstehen.
  • Das Rascheln der Blätter im Wind: sanfte Begleitmusik aus der Natur.
  • Der Lufthauch auf meiner Haut: reinigend und beruhigend.

Mein Lieblingselement Wasser

Ich mochte schon immer das Meer: das Rauschen der Wellen, die unendliche Weite des Horizontes, die unbändige Kraft, die der Ozean ausstrahlt.

Aber ich liebe auch das Süßwasser. In einer Stadt ohne Fluss oder See würde mir etwas in meiner Lebensqualität fehlen. Da lag die Idee nahe, Yoga auf einen Steg zu verlegen.

Der erste Termin für Morgenyoga auf dem Steg ist buchstäblich ins Wasser gefallen. So schön Yoga im Freien ist, im Schutt und auf rutschigem Holz macht es dann doch keinen Sinn.

Beim zweiten Versuch haben wir während der Klasse die Wölkchen gegen Sonne getauscht, wurden mit einer lauen Sommerbrise begrüßt und hatten eine absolut friedliche Hafenatmosphäre. Selbst die wenigen Gassigänger konnten die Teilnehmer nicht ablenken, weil der Abstand zwischen Weg und Steg groß genug ist.

Dreieck2_Stegyoga
© Marie-Anne Rojzman-Conrad

Wie findest Du besondere Orte für Yoga?

Denkst Du auch manchmal darüber nach, einen Ort der anderen Art für Deine Yogaklasse oder ein Special zu finden?

Es gibt zwei Wege:

  1. gezielte Suche
  2. überraschendes Finden

Zu 1. „Gezielte Suche“

Stelle Dir vorab folgende Frage: Welche Atmosphäre schwebt Dir vor, die Dir entspricht und in der Du Dir ein Unterrichten vorstellen kannst? Z. B.:

  • Weite und Offenheit nach oben: Das könnte draußen auf der Wiese oder der Terrasse sein, in einem Atrium oder in einem Turm, in einem Raum mit vielen Dachfenstern oder in einem Wintergarten.
  • Nostalgie: Das könnten Räume sein, die Geschichte erzählen, wie ein altes Klostergebäude, eine Scheune o. ä.
  • Abgeschiedenheit: Für absolute Naturstille vielleicht eine Lichtung?
  • Kontrast: Wenn Du Yoga in einen Raum bringen möchtest, der per se für etwas völlig anderes konzipiert und eingerichtet ist, z. B. eine Galerie oder einen Weinkeller.

Wenn Du eine einigermaßen klare Vorstellung hast, recherchiere gezielt: Suche nach solchen Orten im Internet, gehe Straßenzüge oder Landstriche entlang, in denen es potenziell Plätze aus Deiner Vorstellung geben könnte. Mache Dir Notizen. Und dann finde die Zuständigen und überzeuge sie von Deiner Idee! Lass Dich nicht davon abbringen, wenn es nicht gleich klappt. Du wirst jemanden finden, der offen ist für Deinen Plan! Wenn es nicht der Turm werden kann, ist der Gewölbekeller womöglich die bessere Wahl für Dich.

Zu 2. „Überraschendes Finden“

Du kannst auch ohne konkrete Vorstellungen „suchen“. Im Grunde lässt Du die Location Dich finden. Das geht allerdings nur, wenn Du unvoreingenommen bist, Deine Umgebung wirklich  wahrnimmst, mit offenen Augen auch bekannte Wege abgehst und Deinen Mitmenschen zuhörst. So kannst Du Unerwartetes entdecken und neue Ideen können sprießen!

Ist Dir eine Yogaklasse an einem besonderen Ort in Erinnerung geblieben? Dann teile Deine persönliche Erfahrung in einem Kommentar.

2 Kommentare

  1. Andrea sagte:

    Liebe Silke,

    Yoga auf dem Steg war mein erstes Outdoor-Yoga-Erlebnis und das sanfte Schaukeln des Stegs, die frische Luft, der blaue weite Himmel, die tanzenden Pappelblätter, das Entengeschnatter, die wärmenden hellen Sonnenstrahlen hinter den Augenlidern zu spüren – all das hat der Yogastunde eine besondere Note verliehen. Trotz dieser Eindrücke im Außen, die man ja in einem geschlossenen Raum so nicht hat, war ich wirklich bei mir, vielleicht sogar noch mehr als sonst, und habe dieses Gehörte, Gesehene und Gefühlte intensiv wahrnehmen und somit erleben können. Es war herrlich! Die wenigen „Zuschauer“ habe ich kaum bemerkt, sie haben mich überhaupt nicht gestört oder gar ablenken können.

    Yoga im Freien stelle ich mir an einem ruhigen Ort in der Natur am schönsten vor, wie die von Dir beschriebene Lichtung z.B.
    Auf dem Time-Square New York etwa hätte ich wahrscheinlich da so meine Schwierigkeiten mit dem Besinnen auf mich. Da prasselt dann doch zu viel im Außen auf einen ein und es ist ein Gewirr von Geräuschen und Eindrücken, die man dann gar nicht mehr einzeln wahrnehmen kann, ein lautes Gesumme undefinierbarer Geräusche, so stelle ich es mir jedenfalls vor.

    Bei Yoga im Innen ist mir die Raumatmosphäre schon sehr wichtig. Gepflegt und hell sollte der Raum sein, groß und mit so wenigen Accessoires wie möglich ausgestattet, still, gut gelüftet und ein angenehmes Licht – all das sind Grundvoraussetzungen. Räucherstäbchen oder andere künstliche Düfte – furchtbar! Auch ein winziger Raum, wo die Teilnehmer sehr eng beieinander sind geht für mich gar nicht.
    Ein altes Gebäude würde ich immer einem neuen vorziehen, wenn möglich. Beim Yoga praktizieren wie beim Drin-Leben. Ich fühle mich dort wohler, wo der Wind durch die Fenster pfeift, die Dielenbretter knarzen, die Steintreppenstufen blank und ausgetreten sind nach all den Jahren. Dort, wo schon gelebt wurde ist die Atmosphäre doch eine ganz andere und sie überträgt sich auf die eigene Stimmung. Ich finde es schön, zu wissen um die Geschichte eines Hauses, mir die Menschen vorzustellen, die hier vielleicht mal Zeit verbracht haben, die Spuren der Zeit zu sehen, die sie hinterlassen hat. Aber das ist wirklich Geschmackssache.

    Liebe Grüsse,
    Andrea

    7. August 2015
    Antworten
    • Silke Schuster Silke sagte:

      Das hast Du wunderbar beschrieben, liebe Andrea! Vielen Dank und bis bald auf dem Steg 🙂

      8. August 2015
      Antworten

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