Enthüllt: der Kopf hinter clickflows

Im April hatte ich das nützliche und selbsterklärende Programm clickflows – drag‘ n drop class preparation auf Lebensflow vorgestellt. Es richtet sich an Yogalehrer, die ihre Klassen, Workshops oder Flows vorbereiten und ohne viele Worte auf einen Blick ihre Asanas zusammenfügen möchten.

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Die fein gezeichneten Strichmännchen und die sinnvolle Unterteilung der Rubriken machen das Tool gleichermaßen charmant wie hilfreich.

Wer steckt dahinter?

Wie kommt jemand auf die Idee, ein solches Programm zu entwickeln? Oder vielmehr: Wer kommt auf eine solche Idee?

Ich hatte versprochen, den Kopf hinter clickflows vorzustellen. Heute ist es soweit!

Chris Ahrweiler ist Software-Entwickler und Yogalehrer – die ideale Kombination also. Ich habe nachgefragt.

Chris Porträt
© T. W. Klein

Du hast Deine Wurzeln im Aikido. Wie hat Dich Dein Weg zum Yoga geführt?

Das ist richtig, meine Wurzeln habe ich in den Kampfkünsten, aber Aikido ist ein sehr sanftes und im Grunde friedliches Bewegungssystem und unterscheidet sich sowohl im Konzept wie auch bei den Techniken nicht so gravierend vom Yoga, als dass ich mich als Quereinsteiger betrachten würde.

So sind die Grundpositionen Krieger I und II, auf denen viele Asanas aufbauen, auch im Aikido gängige Ausgangspositionen (wie z. B. „hanmi“, bei der sich die Partner ähnlich wie im Krieger II gegenüber stehen. „han“ (halb) „mi“ (Körper) heißt dabei so viel wie „den halben Körper zeigen“, weil es keine frontale Position wie beim Krieger I ist). Auch die Idee der Spiraldynamik, die im Yoga der Asana die Stabilität verleiht, ist im Aikido elementar für das Aufnehmen, Führen und Umleiten der Angriffsenergie und die Energiearbeit im Aikido ist nichts anderes als das Lösen von Blockaden in den Nadis, wie wir die Energieleitbahnen im Yoga nennen – beides verbunden mit der Idee die Energie (Ki/Prana) wieder fließen zu lassen.

Schon während meiner aktiven Aikido-Phase war ich von Yoga und BodyART fasziniert, sodass der Wechsel nur insofern ein einschneidendes Erlebnis war, weil mein Meister seine Lehrtätigkeit beendet hat. So ähnlich wie wir im Yoga unseren Lieblingslehrer haben, kann das Meister-Schüler Verhältnis („ishin denshin“) in den Kampfkünsten sehr intensiv ausfallen.

Als wir dann unser Dojo schließen mussten, war dies der Anlass meinen Fokus auf ein anderes Bewegungssystem zu verlagern. Aufgrund der dargelegten Parallelen schien mir Yoga die beste Möglichkeit, meine Erfahrungen zu nutzen und mich körperlich und spirituell weiter zu entwickeln.

Was ist für Dich als Yogalehrer die Essenz an dieser Lebensphilosophien?

Auch wenn im Aikido Angriffs- und Verteidigungstechniken geübt werden, besteht die Grundhaltung im Aikido darin nicht zu kämpfen. Diese Idee entspricht der Gewaltlosigkeit („Ahimsa“), der ersten Verhaltensregel der „Yamas“, gemäß des achtgliedrigen Pfades im Yoga. Eine Regel, die sich auf das Äußere und somit auch auf unsere Mitmenschen bezieht.

Dieses Miteinander können wir im Aikido Training ständig mit wechselnden Partnern üben. Eine Situation, die es in der Yogapraxis so nicht gibt (außer bei Workshops). Daher wird diese wichtige Verhaltensregel m. E. kaum geübt, stattdessen sind wir auf der Matte nur mit uns selbst beschäftigt.

Idealerweise schaffen wir es sowohl im Aikido wie auch im Yoga diese Regel über das Miteinander hinaus zu abstrahieren und in einem größeren Zusammenhang zu sehen, also über unser unmittelbares Gegenüber hinaus. Demnach sollten wir uns bemühen, niemandem Schaden zuzufügen – auch im Sinne externer Effekte, also wenn Unbeteiligte mit den Konsequenzen unseres Handelns konfrontiert sind – denken wir an unsere Nachbarn, wenn wir laut Musik hören, an Abwärme, Abgase und Verpackungsmüll.

In dieser Beziehung hat mich Yoga noch aufmerksamer gemacht und ich versuche mit meiner Umwelt achtsam und rücksichtsvoll umzugehen.

© jknOw Photo Design
© jknOw Photo Design

clickflows ist 2011 entstanden. Was war Deine Intention, dieses Angebot zu entwickeln?

Die Intention ist einfach, den Yogalehrern ein Tool an die Hand zu geben, mit dem sie ganz leicht ihre Stundenkonzepte erstellen können, ohne alle Asanas selbst zeichnen zu müssen. Erfahrungsgemäß sind die Strichmännchen intuitiver und in der Praxis auch leichter zu lesen als handschriftliche Notizen. Ich nutze clickflows selbst, vor allem für Stundenkonzepte, die ich z. B. für Workshops oder Specials erstelle und ggf. auch vervielfache und meinen Teilnehmern aushändige – das ist wirklich praktisch.

Kennst Du die Hintergründe Deiner clickflows-Nutzer? Bekommst Du hierzu Rückmeldungen?

Die meisten Nutzer sind Yogalehrer/innen, das kann ich den Rückmeldungen entnehmen. Es kommen immer wieder sehr nette Anfragen von Nutzern, die von diesem Tool begeistert sind und sich z. B. noch weitere Strichmännchen oder spezielle Funktionen wünschen.

Welche Entwicklungen stehen bei clickflows als Nächstes an?

Auf die genannten Wünsche wollen wir natürlich eingehen und so haben wir noch eine kleine Liste weiterer Asanas, die noch gezeichnet werden. Ausserdem möchten wir Notizen ermöglichen, nach denen oft gefragt wird und das Überarbeiten bestehender Flows erleichtern. Bislang müssen diese immer als neue Flows abgespeichert werden, was derzeit noch etwas mühsam ist und damit zusammen hängt, wie diese Applikation historisch gewachsen ist.

Vielen Dank für das Interview!

 

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