Adjustment, Assist, Ausrichtung und Korrektur – was ist was?

Die Begriffe (Ad)Justierung (Adjustment), Assist, Ausrichtung (Alignment) und Korrektur (Correction) werden im Yoga oft synonym benutzt oder zumindest gemischt. Gemein ist allen, dass ein Yogalehrer (Das Folgende gilt selbstverständlich für Lehrer/Schüler wie Lehrerinnen/Schülerinnen) einen Schüler bei einer Asana verbal, visuell oder taktil in die „richtige“ Position bringt. Dabei gehören die Assists eher zu den „hands-on“, also zu den taktilen Adjusts.

Unterschiedliche Vorstellungen seitens der Lehrer können für die Schüler mitunter irritierend sein, beispielsweise schon bei einer einfachen Aufwärmübung wie dem Rotieren/Drehen des Kopfes zur Seite. Mancher Lehrer wird das Drehen mit der Einatmung und das Zurückführen in die Mitte mit der Ausatmung verbinden und manch anderer eben genau die gegenteilige Ansage machen. So kann sich das, was als „richtig“ angesehen wird, von Lehrer zu Lehrer und auch zwischen Yogastilen unterscheiden.

Das Verb „adjustieren“ stammt vom französischen Verb „ajuster“ ab, was mit „passend machen“ oder „anpassen“ zu übersetzen ist. Auch das lateinische Wort „iustus“ steckt darin, was „gerecht“ bzw. „genau richtig“ bedeutet. Somit ist ein Adjustment eine Maßnahme zur Richtigstellung. Vom aktuellen Ist-Zustand zu einem gewünschten Soll-Zustand. So wie wir mit Hilfe des Temperaturreglers die Raumtemperatur auf die gewünschte Wohlfühltemperatur einstellen.

Adjustment Yoga
© Jacqueline Kulka / jKnOw photo design

Im Yoga führt ein Adjustment analog von einer Haltung (Ist-Zustand) zu einer „verbesserten“ Haltung, die eher dem Ideal der Asana entspricht (Soll-Zustand). Das Adjustment ist also eine Maßnahme zur Erreichung eines Wunschzustandes, wobei sich zwei Fälle unterscheiden lassen:

  1. Korrekur
    Im Fall einer Korrektur ist der Soll-Zustand meines Erachtens mit dem allgemeinen Verständnis einer gewissen Asana und mit gesundheitlichen Aspekten verknüpft. Wenn ein Schüler statt des heraufschauenden Hundes einen herabschauenden Hund übt oder statt des verdrehten seitlichen Winkels einen seitlichen Winkel, ist das nicht weiter schlimm, aber es sind schlicht andere Asanas und das bedarf der Korrektur. Schlimmer wäre, wenn abzusehen ist, dass ein Schüler sich in einer Haltung verletzen könnte, beispielsweise wenn ein Gelenk mehr als endgradig beansprucht würde – wie bei einem überstreckten Ellenbogen (Stichwort Hyperextension). Dann sollte – unabhängig vom Yogastil – ebenfalls eine Korrektur erfolgen.
  1. Alignment
    Das Alignment ist in meiner Auffassung eher „Geschmacksache“. Ob die Ferse des hinteren Beines in Virabhadrasana I (Krieger I) Kontakt zum Boden haben sollte oder der Fuß aufgestellt bleiben darf, ist eine Stilfrage bzw. entspringt dem Verständnis des Yogalehrers und ist keine Korrektur, sondern ein Alignment – eben eine Ausrichtung, die nach den Ausrichtungsprinzipien des Yogastils erfolgt. So wird im Anusara Yoga® beispielsweise nach den „Universal Principles of Alignment“ unterrichtet, um den Übenden in eine ideale Körperhaltung zu führen.
    Beim Alignment kann ein Lehrer neben verbalen und non-verbalen Anweisungen auch Hilfsmittel wie Bänder oder Blöcke verwenden, um den Schüler so in eine Position zu bringen, die er ohne Hilfe nicht bzw. noch nicht erreichen kann, beispielsweise um eine Asana binden zu können.

Wenn Yogaschüler die grundlegenden Asanas und deren Unterschiede erlernt haben, wird die Notwendigkeit für Korrekturen geringer. Stattdessen werden die Alignments meist intensiver. Hier liegt das größte Potenzial der Weiterentwicklung, denn zum Verinnerlichen der Alignments gehört die Entwicklung des Körpergefühls und der inneren Wahrnehmung.

So entwickelt der Schüler mit der Zeit auch das Gespür, welche Ausrichtungsprinzipien ihm eher liegen und welche nicht. Was passt zum eigenen Körper und zum eigenen Verständnis wie sich der Körper bewegen kann und möchte?

Der Lehrer kann diese Entwicklung unterstützen, indem er eine Korrektur oder ein Alignment nicht nur als Anweisung formuliert, sondern auch erklärt, warum diese gerade sinnvoll ist oder welches Verständnis der Maßnahme zugrunde liegt. Damit wird auch die Selbstbeobachtung geschult, sodass sich der Schüler zunehmend selbst überprüfen und auf seinen inneren Lehrer hören kann. Manchmal führt diese Entwicklung gar zu der Erkenntnis, dass ein anderer Stil für den Schüler geeigneter erscheint. So ist es ganz natürlich, dass sich ein Schüler für einen anderen Lehrer oder einen anderen Stil entscheidet und beispielsweise vom Hatha zum Vinyasa Yoga oder zum Ashtanga wechselt. Vielleicht, um nach einiger Zeit und mit erweitertem Erfahrungshorizont zum „alten“ Lehrer zurückzukehren.

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