Schmerzlinderung: Wie Yoga bei Migräne helfen kann

Dass Yoga bei Migräne helfen kann, wusste ich auch nicht von Anfang an. Als ich vor über zehn Jahren anfing Yoga zu praktizieren, wurde ich meist belächelt. Die meisten gingen davon aus, ich würde in einem von Räucherstäbchen verqualmten Raum auf einem Kissen sitzen und stundenlang Om chanten. Heute gehört es fast schon zum guten Ton, dass man Yoga macht. 

Ich finde das eine ganz großartige Entwicklung, auch wenn die meisten Menschen Yoga noch als Sport praktizieren. Aber so haben wir doch letztlich alle angefangen, oder?

Was mir noch mehr Freude macht ist allerdings, dass Yoga auch immer mehr als Form der Therapie anerkannt und sogar in Studien untersucht wird. So erlangt es auch in der westlichen Medizin immer mehr Ansehen.

Als Schulmedizinerin, Ayurveda-Medizinerin und Yogalehrerin wandle ich sozusagen zwischen den Welten. Einerseits ist Yoga für mich etwas sehr spirituelles, andererseits aber auch eine Form der Therapie – sowohl aus traditionell indischer, als auch aus westlicher Sicht. Als Neurologin interessiert mich besonders, was Yoga bei Migräne leisten kann. 

Was ist Migräne überhaupt?

Die meisten Menschen vergleichen Migräne einfach mit starken Kopfschmerzen. Aber Migräne ist so viel mehr als „bloß Kopfschmerzen“. Migräne ist eine ernstzunehmende und vor allem chronische neurologische Erkrankung. Die Betroffenen leiden nicht nur an stärksten Kopfschmerzen, der ganze Körper ist betroffen. Man fühlt sich müde, teilweise völlig erschlagen. Oft besteht auch Übelkeit, sogar bis zum Erbrechen. Manche Betroffene haben auch Durchfall in der Attacke, manche frieren, zittern oder haben Schüttelfrost.

Es gibt oft Begleitsymptome wie Licht- oder Lärmempfindlichkeit, auch manche Gerüche können als störend oder sogar unerträglich empfunden werden. In der Attacke haben Betroffene oft Nackenschmerzen, aber auch Gliederschmerzen wie bei einer Grippe kommen vor.

Bei Menschen, die eine sogenannte Aura haben, kann es auch zu neurologischen Ausfällen wie Seh- oder Wahrnehmungsstörungen, Sprachstörungen und Lähmungen kommen.

Heutzutage weiß man, dass das Gehirn von Menschen mit Migräne anders funktioniert als „normale“ Gehirne. Es ist viel durchlässiger für Reize von außen, verarbeitet sie ganz anders und kann sich nicht so gut an wiederholte Reize anpassen. Somit verbraucht es viel mehr Energie als das Gehirn von einem Menschen ohne Migräne. Und sind die Energiespeicher leer, droht die nächste Attacke.

Warum Yoga bei Migräne? 

Die Antwort auf diese Frage ist sehr vielfältig. Zuerst einmal müssen wir schauen, ob wir hier von Yoga akut in der Attacke oder von Yoga als Prophylaxe sprechen. Beides hat meiner Meinung nach eine große Wirkung.

In der Attacke kennen die meisten Betroffenen nur Tabletten. Was soll auch sonst helfen, wenn es sich gerade anfühlt als explodiere der Kopf? Aber es gibt tatsächlich ein paar Asanas und Pranayama-Techniken, die auch in der Attacke helfen können. Viele Betroffene können, ich eingeschlossen, wenn frühzeitig in der Attacke praktiziert, die Attacke damit sogar beenden.  

Meine Top 3 sind:


Viparita Karani

Den unterstützen Schulterstand, am liebsten mit den Beinen an der Wand, kannst du auch als Yogaanfänger leicht praktizieren. Wichtig ist, dass du ihn ausreichend lang, mindestens fünf Minuten, hältst und dabei tief und gleichmäßig atmest. 

Umkehrhaltung Yoga Migräne

Adho Mukha Svanasana

Den herabschauenden Hund kennst du sicherlich, wenn du schon einmal in einer Yogaklasse warst. Auch  hier empfiehlt es sich, einige Minuten in der Asana zu verweilen und den Atem tief und gleichmäßig fließen zu lassen.

Nadi Shodana

Die Wechselatmung ist eine Pranayama-Technik, bei der du einseitig im Wechsel durch das rechte oder linke Nasenloch atmest, während du das andere mit einem Finger verschließt. Durch das einseitige Atmen harmonisierst du die rechte und linke Gehirnhälfte und bringst das Gehirn so zur Ruhe. Nadi Shodana kann auch von Yogaanfängern problemlos praktiziert werden. 

Yoga als Prophylaxe bei Migräne

Aus prophylaktischer, also vorbeugender Sicht, hat die Wirkung von Yoga vor allem etwas damit zu tun, ob du regelmäßig Yoga praktizierst und für welchen Stil du dich entscheidest. 

Durch eine regelmäßige Yogapraxis lernst du, wieder mit deinem Körper in Kontakt zu kommen und seine Signale besser wahrzunehmen. So merkst du viel früher, wenn die Energiespeicher leer sind und du eine Pause oder einen Snack brauchst. 

Auch wirkt Yoga nicht nur entspannend auf den Körper, sondern auch auf das Gehirn. Nicht umsonst sagt man „Yoga ist Meditation in Bewegung“. 

Durch eine regelmäßige Yogapraxis schaffst du immer wieder Inseln der Entspannung in deinem Alltag, die für dein überreiztes Gehirn so wichtig sind. 

Und hier kommt jetzt die Frage des Stils ins Spiel: Je entspannter der Stil, desto besser. Nach einer schweißtreibenden Vinyasa-Level-3-Klasse oder einer Bikram-Stunde sind die Energiespeicher eher leer als dass sich das Gehirn besonders gut entspannt hätte. Aber es muss auch nicht immer nur Yin Yoga sein. Auch entspannte Hatha-Yoga-Klassen können sehr gut tun. Das ist meist sehr individuell. Probiere dich aus und spüre in dich hinein, was dir gut tut. 

Welche Asanas helfen bei Migräne?

Diese Frage lässt sich meiner Meinung nach am besten aus ayurvedischer Sicht beantworten. Der Ayurveda sieht jeden Menschen als Abbild der Natur und als eine ganz individuelle Zusammensetzung aus allen Elementen. Geraten die Elemente in uns ins Ungleichgewicht, können sich daraus Erkrankungen entwickeln. Das ist wirklich nur eine ganz grobe Erklärung, sollte aber ausreichen, um zu verstehen, was ich meine. Bei der Migräne findet sich meist ein Ungleichgewicht der Elemente Luft und Raum. Wir sprechen dann im Ayurveda von einer sogenannten Vata-Störung. Um Dysbalancen auszugleichen, nutzen wir im Ayurveda immer das Gegenteil. Finden sich Luft und Raum im Überschuss, kannst du dir vorstellen, dass es ganz schön wild und bewegt wird. Deshalb sind beruhigende und erdende Asanas hier besonders wirkungsvoll.

In meinen Yogaklassen speziell für Migräne-Betroffene arbeite ich daher viel mit Asanas im Stehen und Vorbeugen. Aber auch Umkehrhaltungen wie der Schulterstand oder Kopfstand (keine Armbalancen, also kein Handstand) sind sehr hilfreich, da sie Vata beruhigen. 

Du siehst also, Yoga kann eine ganze Menge leisten bei Migräne, wenn man weiß wie. Hast du Fragen hierzu? Dann melde dich doch gern bei mir.

Freiheit im Kopf
Dr. Nadine Webering hat ein Onlineprogramm für Migräne-Betroffene entwickelt. Darin verbindet sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus der Schulmedizin, dem Ayurveda und dem Yoga. Wenn du mehr zu dem Thema Yoga bei Migräne erfahren möchtest, schau doch mal vorbei.



Anstehende Veranstaltungen mit Silke von Lebensflow:

# Yoga im Fotografie-Loft Wiesbaden-Naurod
# Thementag Entspannung "Breathe & Release" | 3. Oktober 2020 | Bildungswerk des Landessportbundes RLP, Mainz
# Thai Yoga-Specials 2020

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