„Beim Malen bin ich im Flow“ – Sonja Neumann im Porträt

Den Namen meines Blogs, Lebensflow, habe ich nicht umsonst gewählt. Er steht für mich sinnbildlich für das Leben. Jeder von uns hat sein eigenes Flow-Erleben – ob beim Wandern, auf der Yogamatte, beim Kochen, Klavierspielen oder oder … Sonja Neumann erlebt ihn oft beim Malen. In ihren außergewöhnlichen Bildern hält sie auch noch Menschen im Flow fest. Keine Frage: Diese Künstlerin wollte ich gern mal ausfragen. Herausgekommen ist ein inspirierendes Gespräch, das mich direkt wieder zum Pinsel hat greifen lassen. Du bekommst hier auch einen Eindruck von ihrer Kunst.


Du bist Künstlerin, und deine Bilder haben einen eigenen, besonderen Stil. Du malst Menschen, die im Flow sind. Auf deiner Website schreibst du darüber: „Kunst, die dich täglich an ein Leben im Flow erinnert.” Was bedeutet es für dich, im Flow zu sein?

Im Flow zu sein bedeutet für mich ganz vereinfacht, die Zeit zu vergessen. Wenn nur der Moment zählt und du versunken bist in dem, was du gerade machst.  In diesem Moment bist du glücklich, machst dir keine Sorgen und kommst heraus aus deinen Gedanken.

Meistens sind es Momente, in denen wir „Monotones“ machen. Beim Joggen, beim Blick in das Lagerfeuer oder beim Strandspaziergang.  Dann verlieren wir uns und finden innere Ruhe, erleben Glücksmomente.

Ich habe mich lange gefragt, was ich mit meinen Bildern ausdrücken möchte. Bilder haben einen großen Einfluss auf unsere Gefühle, unser Denken und letztendlich auch auf unser Handeln. Ich möchte mit meinen Bildern positive Emotionen auslösen: Sie sollen dem Betrachter Kraft geben, beruhigen und ihn glücklich machen. Wir wollen doch alle möglichst viele Flow-Momente im Leben!


Bei welchen Beschäftigungen findest du noch in den Flow, außer beim Malen?

Beim Malen bin ich tatsächlich im Flow – da vergeht die Zeit meist wie im Flug. Ich habe aber festgestellt, dass meine Flow-Momente darüber hinaus immer mit Bewegung – vor allem in der Natur – verbunden sind. Das ist der Spaziergang mit dem Hund. Oder auch das Joggen. Diese Momente gehören glücklicherweise zu meinem Alltag. Da ich die Berge leider nicht vor der Haustür habe, genieße ich die Urlaubstage in den Bergen besonders. Skilaufen oder Wandern:  Das ist Flow pur! So tanke ich auf.

© Sonja Neumann

Und natürlich am Meer. Da ich so gerne Wasser male, gibt es sehr viele Bilder von schönen Momenten am Meer.


Woher nimmst du die Inspiration für deine Bilder? 

Grundsätzlich gehe ich mit offenen Augen durchs Leben. Die Motive lauern ja überall!

Neben der Malerei ist das Thema Gesundheit eine weitere Leidenschaft. Als ganzheitliche Gesundheitsberaterin sind die Themen Ernährung und Bewegung sehr wichtig für mich.

Diese Themen spiegeln sich häufig in meinen Motiven wider:

© Sonja Neumann

Kinder sind ständig im Flow: Sowohl beim Anblick eines Schmetterlings als auch beim Spielen im Sand. Diese Leichtigkeit inspiriert mich immer wieder.

Es kann aber auch mal eine alltägliche Szene von Menschen im Café sein, die ich sehr ansprechend finde, beim Stadtbummel mit meinem Handy aufnehme und zu Hause male. Grundsätzlich male ich gerne Menschen in Situationen, in denen ich auch gerne wäre.

Und bei einem so schönen Foto von dir konnte ich auch nicht wiederstehen: 

© Sonja Neumann | Vorlage: Foto von Las Bellas Artes

Nimm uns kurz mit: Was waren wichtige und zentrale Etappen auf deinem künstlerischen Weg, bis du zu deinem heutigen Stil und deiner Arbeitsweise als Künstlerin gelangt bist?

Als ehemalige Leistungssportlerin in der Leichtathletik entschloss ich mich zunächst zum Sportstudium. Diesen Entschluss habe ich nie bereut. Zumal ich während des Studiums meinen Mann kennengelernt habe und wir zwei ehemaligen Sportstudenten in diesem Jahr 25 Jahre verheiratet sind.

Meine ursprüngliche Motivation zu malen begann mit dem Ziel, meine eigenen Wände zu schmücken. Die Grundlagen brachte mir mein Vater bei, der Kunst studiert hatte. Zunächst malte ich abstrakte Bilder. Schnell wechselte ich aber zur gegenständlichen Malerei und entwickelte den Wunsch, meine Fertigkeiten auf diesem Gebiet zu verbessern. Mit anderen Worten: Ich wollte richtig gut werden!

Eigentlich lernte ich durch das Abmalen von Bildern, die mich begeistert haben. Künstler wie Edward B. Gordon und Carol Marine haben mich besonders inspiriert. Malkurse habe ich nicht besucht. Ich las viele Bücher, sah bei Vorführungen zu, schaute YouTube-Videos … und malte, malte, malte!

Wahrscheinlich ist mir das malerische Talent in die Wiege gelegt worden: Mein Opa und mein Vater malten professionell. Aber vor allem würde ich sagen: Ausdauer und Wille schlagen Talent!

Nach wie vor brenne ich dafür und bin sehr dankbar, meiner Passion folgen zu können. Bis heute freue ich mich jeden Tag auf eine neue künstlerische Herausforderung!


Wie gehst du vor, wenn du ein neues Werk erschaffen möchtest?

Das kommt darauf an. Es gibt Zeiten, da male ich an zwei bis drei Tagen in der Woche jeweils ein kleines Ölbild (Daily Painting). Dieses Bild ist dann – so der Plan – nach drei bis vier Stunden fertig.  Am Wochenende wähle ich bereits die Motive der Woche aus und male sie möglichst auch schon vor. Diese Tage sind sehr strukturiert. 

An größeren Formaten arbeite ich häufig ein bis zwei Wochen. Die Motivwahl gestaltet sich hierbei meist schwieriger. Es muss schon ein wirklich gutes Motiv sein, wenn ich mich damit so lange beschäftige.  

Dann gibt es oft auch verschiedene Phasen: der Freude, manchmal auch der Verzweiflung, die „Ich-kann-es-nicht-mehr-sehen-Phase“ im warsten Sinne des Wortes. Ich habe ja nie die Chance, mein Bild zum ersten Mal zu sehen. Deshalb mache ich manchmal eine bewusste Pause (z. B. am Wochenende). Wenn ich danach zum ersten Mal wieder auf das Bild schaue, erkenne ich meist sofort, wo es hapert.

Aber eins ist immer gleich: Ich visualisiere in meiner Morgenmeditation vor dem Malen das perfekte Bild.


Welchen Stellenwert nimmt Yoga in deinem Leben ein, und wie beeinflusst die Praxis deine Malerei?

Als ehemalige Leistungssportlerin habe ich erst sehr spät zum Yoga gefunden. Früher hatte ich meist das Bedürfnis, mich beim Joggen, Krafttraining oder auch Tanzen auszupowern.

Vor drei Jahren änderte sich aber einiges in unserem Familienleben: Unser jüngster Sohn bekam die Diagnose Typ-1-Diabetes. Das stellte zunächst alles auf den Kopf. Zu der Zeit hatte ich das Bedürfnis, meine Sportgewohnheiten zu verändern.  Ich brauchte die Bewegung vor allem, um Kraft zu tanken, um auf andere Gedanken zu kommen und zur Entspannung.

Ich begann mit Yoga – und möchte es seitdem nicht mehr missen. Schaffe ich es nicht ins Studio zu fahren, rolle ich morgens die Matte zu Hause aus. Und verbinde die Praxis gerne mit einer Meditation.

Früher hatte ich häufig Rückenschmerzen, das ist heute nicht mehr der Fall. Außerdem habe ich das Gefühl, konzentrierter arbeiten zu können.

Und insgesamt glaube ich, meinen künstlerischen Weg nach langem Suchen gefunden zu haben.


Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?

Wenn morgens alle aus dem Haus sind, gehört die erste Stunde des Tages mir: Meditation, entweder Yoga oder eine Joggingrunde mit dem Hund. Es folgen zwei Minuten Kältebad im Saunafass. Für ein gesundes Immunsystem. Dann freue ich mich auf ein leckeres und gesundes Frühstück.

Anschließend gehe ich für drei bis vier Stunden ins Atelier. An einem perfekten Tag male ich dann ein perfektes Bild!

Später koche ich für die Familie. Wenn abends alle da sind, essen wir gemeinsam. Eine Hunderunde zusammen mit meinem Mann rundet den Tag ab.

An solchen Tagen bin ich im Flow!


Hast du Visionen für deine Kunst? Wo darf/soll es noch hingehen?

Unser jüngster Sohn ist mittlerweile auch schon 16 Jahre alt, und es dauert nicht mehr lange, dann sind alle drei Jungs aus dem Haus.

Ehrlichgesagt habe das Gefühl, dass meine künstlerische Karriere jetzt erst richtig losgeht. Manchmal sage ich, ich fühle mich ein bisschen so wie damals direkt nach dem Studium.

Ich gebe mittlerweile Workshops, leite Malreisen und schreibe zzt. ein Buch zum Thema „Daily Painting“. Das hätte ich mir vor ein paar Jahren in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Ich habe eine ganz konkrete Vision: Ich male momentan gerne alte Fotos aus den Bergen im Retro-Stil ab:

© Sonja Neumann

Ich stelle mir vor, dass diese Bilder in einem wunderschönen Berghotel hängen. Dort werde ich dann öfters ein paar Urlaubstage mit vielen Flow-Momenten verbringen!

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin unzählige Flow-Momente für dich!




Anstehende Veranstaltungen mit Silke von Lebensflow:

# Yoga auf dem Bootssteg am Schiersteiner Hafen Wiesbaden, Sommer 2020
# Yoga im Fotografie-Loft Wiesbaden-Naurod
# Yoga im Wohnzimmer bei Rosarot | 25. September 2020, Rosarot Kosmetik Mainz

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